Tacheles Berlin

Tacheles Berlin 2026: Eine umfassende Übersicht

Sieben Millionen Mark Baukosten – so viel investierte man 1909 in die Eröffnung der damals zweitgrößten Einkaufspassage der Stadt. Ich bin Peter vom Redaktionsteam von dasisstberlin.de und zeige Ihnen, wie aus diesem prächtigen Bau ein Symbol für Kunst und urbanen Wandel wurde.

Das heutige Gebäude in der Oranienburger Straße im lebendigen Stadtteil Mitte hat eine bewegte Vergangenheit. Ursprünglich als Friedrichstraßenpassage erdacht, verband es einst die Friedrichstraße mit der Oranienburger Straße.

Den berühmten Namen erhielt der Ort erst in den 1990er Jahren durch eine engagierte Künstlerinitiative. Bis dahin war es einfach ein Teil der historischen Passage.

Im Jahr 2026 präsentiert sich das Gelände als modernes Quartier. Hier finden Sie das private Fotografiska-Museum, elegante Restaurants, trendige Bars und Veranstaltungsräume. Auch Wohnungen und Büros sind Teil der neuen Nutzung.

Dieser Artikel gibt Ihnen einen vollständigen Überblick über die faszinierende Transformation. Sie erfahren alles über die Geschichte, die Gegenwart und erhalten praktische Informationen für Ihren Besuch. Ein Verständnis für diesen Ort hilft auch, andere legendären Kunstorte Berlins besser einzuordnen.

Geschichtlicher Hintergrund und Bedeutung

Der Architekt Franz Ahrens schuf mit der Friedrichstraßenpassage ein neues Wahrzeichen für den Handel. Als zweitgrößte Einkaufspassage Berlins verband sie 1909 die Friedrich- mit der Oranienburger Straße.

Das fünfgeschossige Gebäude war ein Pionierbau aus Stahlbeton. Seine Mittelhalle krönte eine der ersten Kuppeln aus diesem modernen Werkstoff.

Entstehung der Friedrichstraßenpassage und erste Nutzungen

Die frühe Nutzung war kommerziell. Der Kaufmann Wolf Wertheim eröffnete hier 1909 ein Kaufhaus. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Komplex zwangsversteigert.

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Ab dem Jahr 1928 mietete die AEG das Haus. Sie nutzte es als „Haus der Technik“ zur Präsentation ihrer Produkte.

Nutzung im NS-Regime und DDR-Zeit als Haus der Technik

Anfang der 1930er Jahren übernahmen NSDAP-Dienststellen das Gebäude. Später zogen die Deutsche Arbeitsfront und das Zentralbodenamt der SS ein.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Haus Schäden. Es blieb aber nutzbar. Das Haus wurde 1948 vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund übernommen.

In der DDR-Zeit beherbergte es Läden, Werkstätten, eine Artistenschule und das Kino „Camera“. Dort fand 1961 eine berühmte Filmuraufführung statt.

Zeitraum Hauptnutzer Funktion des Ortes
1909-1914 Wolf Wertheim Kaufhaus in der Passage
1928-1930er AEG „Haus der Technik“ für Produktausstellung
1930er-1945 NS-Organisationen Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront & SS
1948-1980 FDGB / Diverse Gewerbe, Bildung, Kino (DDR-Nutzung)

Diese bewegte Geschichte zeigt die Widerstandsfähigkeit dieses Ortes. Trotz mittlerer Kriegsschäden ordneten spätere Gutachten den Abriss an. Die Abrissarbeiten begannen 1980. Die Kuppel wurde 1982 gesprengt.

Diese lange und wechselhafte Nutzung macht die Geschichte des Gebäudes so einzigartig.

Tacheles Berlin – Vom besetzten Haus zum Kunstzentrum

Am 13. Februar 1990 änderte eine mutige Aktion das Schicksal des maroden Gebäudes für immer. Eine Künstlerinitiative besetzte den Restbau kurz vor der geplanten Sprengung. Sie nannte sich „Tacheles“, was vom hebräischen Wort für „Ziel“ oder „Zweck“ stammt und „Klartext reden“ bedeutet.

Dieser Name war Programm. Die Gruppe wollte die künstlerische Zweideutigkeit der DDR-Zeit durchbrechen.

Die Künstlerinitiative und der Kampf gegen den Abriss

Trotz eines Magistratsbeschlusses für den Abriss am 10. April 1990 gelang der Erhalt. Ein Dringlichkeitsantrag beim Berliner Runden Tisch stoppte die Zerstörung vorläufig.

Ein neues Gutachten bewies die Stabilität der Bausubstanz. So wurde das Haus 1992 endgültig unter Denkmalschutz gestellt.

Aus der Besetzung entstand ein legendäres Kunsthaus Tacheles. Der vom Tacheles e.V. betriebene Komplex in der Oranienburger Straße wurde zum Herz der alternativen Kunst-Szene.

Über zwei Jahrzehnte bot er:

  • Rund 30 KünstlerAteliers und Verkaufsräume
  • Das Programmkino High End 54
  • Verschiedene Veranstaltungsorte für Konzerte, Lesungen und Performances

Die wirtschaftliche Basis war jedoch brüchig. Nach dem Verkauf des Grundstücks 1998 galt ein symbolischer Mietvertrag. Als dieser 2008 auslief, konnte der Verein die geforderte Nutzungsentschädigung nicht zahlen.

Er meldete 2009 Insolvenz. Die Ära endete mit der Räumung des besetzten Ortes im September 2012, nach 22 bewegten Jahren.

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Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven 2026

Das Jahr 2026 zeigt das vollendete Ergebnis einer langjährigen Entwicklung vom alternativen Kunsthaus zum gemischten Quartier. Nach dem Verkauf im September 2014 an die New Yorker Vermögensverwaltung Perella Weinberg begann eine neue Ära.

Der Bebauungsplan sicherte die Zukunft des historischen Gebäudes. Er schreibt eine kulturelle Nutzung für den alten Flügel der Friedrichstraßenpassage vor.

Kernsanierung, Neubauprojekte und moderne Nutzungskonzepte

Ab 2019 wurde das ehemalige Kunsthaus Tacheles kernsaniert. Die historische Fassade blieb erhalten, während das Gebäude innen modernisiert wurde.

Auf dem Gelände entstanden elf neue Gebäude nach Plänen des Stararchitekturbüros Herzog & de Meuron. Sie bieten Büroflächen und rund 280 Wohnungen.

Die Luxusimmobilien lösten Kontroversen aus. Eine Penthouse-Wohnung wurde noch vor Fertigstellung für knapp zehn Millionen Euro verkauft.

Modernes Stadtquartier AM TACHELES Neubau

Fotografiska und kulturelle Impulse im neuen Quartier

Das kulturelle Herzstück öffnete im September 2023. Das private Fotomuseum Fotografiska, dessen Eigentümer Yoram Roth ist, mietete das Erdgeschoss.

Es kombiniert Ausstellungsräume mit Restaurants und Bars. Dieses Konzept belebt die Oranienburger Straße im Stadtteil Mitte nachhaltig.

Das fertige Quartier „AM TACHELES“ verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Mit fast 50 neuen Bäumen schafft es eine grüne Lunge.

Für 2026 sind die Informationen klar: Das Gelände ist ein lebendiger Ort für Wohnen, Arbeit und Kultur. Es ergänzt perfekt andere kulturelle Highlights der Stadt.

Praktische Empfehlungen für Ihren Besuch

Ihr Besuch im Jahr 2026 lässt sich optimal planen, wenn Sie einige praktische Hinweise beachten. Das Gelände ist ein lebendiger Ort für Kultur, Gastronomie und Entspannung.

Tipps zur Anreise und Orientierung in der Oranienburger Straße

Die Oranienburger Straße ist hervorragend angebunden. Nutzen Sie die S-Bahn (Hackescher Markt), U-Bahn (Oranienburger Tor) oder Tram.

Ein guter Beginn ist der Aaron-Bernstein-Platz. Von dort haben Sie einen Überblick über das gesamte Gelände mit seinen neuen Wohn- und Bürohäusern.

Der nahe Friedrichstadtpalast dient als weithin sichtbarer Orientierungspunkt in der Stadt.

Highlights und Veranstaltungen im Tacheles-Gelände

Das kulturelle Herzstück ist das Fotografiska im historischen Gebäude. Planen Sie mindestens zwei Stunden für die wechselnden Fotoausstellungen internationaler Künstler ein.

In den Veranstaltungsräumen finden regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Informationen zum aktuellen Programm finden Sie online.

Für gastronomische Erlebnisse reservieren Sie in den integrierten Restaurants vorab. Das Jahr 2026 bietet ganzjährig Attraktionen.

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Frühling und Sommer sind ideal, um die grünen Bereiche mit fast 50 Bäumen zu genießen.

Fazit

Der erfolgreiche Kampf gegen den Abriss in den 1990er Jahren sicherte die Zukunft dieses geschichtsträchtigen Gebäudes. Die entschlossene Künstlerinitiative rettete es vor der Sprengung.

Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg und verschiedene politische Systeme. Seine lange Geschichte führte vom legendären Kunsthaus Tacheles mit rund 30 Künstlerateliers über zwei Jahrzehnte zum modernen Stadtquartier von 2026.

Der Erhalt des historischen Kerns und die neue kulturelle Nutzung durch das Fotografiska zeigen eine gelungene Transformation. Sie erleben heute die einzigartige Verbindung von Geschichte und Gegenwart an diesem bedeutenden Ort der Berliner Kultur.

FAQ

Was passiert aktuell mit dem Gelände an der Oranienburger Straße?

Das Areal wird seit 2023 kernsaniert und neu entwickelt. Unter der Leitung der Architekten Herzog & de Meuron entsteht ein modernes Quartier mit Wohnungen, Büros und Kulturflächen. Das historische Gebäude der Friedrichstraßenpassage wird dabei erhalten und in das neue Konzept integriert.

Wird es wieder Kunst und Veranstaltungen an diesem Ort geben?

Ja, die Pläne sehen ein lebendiges Kulturzentrum vor. Ein zukünftiger Hauptmieter wird das Fotografiska aus Stockholm sein, ein bekanntes Museum für Fotografie. Zudem sind Lesungen, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen in den geplanten Räumen vorgesehen.

Warum war dieses Haus so berühmt und bedeutend?

Nach der Wende besetzten Kreative das verfallene Gebäude und gründeten die Künstlerinitiative Tacheles. Sie verwandelten es über Jahre in eine legendäre Adresse für freie Kunst, mit Ateliers, einem Kino und unkonventionellen Ausstellungen. Der Kampf der Gemeinschaft gegen den Abriss machte den Ort zu einem Symbol.

Kann man die Baustelle oder das Kunsthaus schon besichtigen?

Während der Bauarbeiten ist der Zutritt zum Gelände nicht möglich. Informationen über den Fortschritt und die geplante Eröffnung neuer Einrichtungen wie des Fotografiska findet man auf den Webseiten der Entwickler und der Stadt. Ein Besuch lohnt sich aber für einen Blick auf die historische Fassade.

Was war vor der Künstlerbesetzung in dem Gebäude?

Die Geschichte des Hauses ist vielschichtig. Erbaut als Passage im frühen 20. Jahrhundert, wurde es später im Nationalsozialismus genutzt. In der DDR-Zeit diente es als „Haus der Technik“. Nach 1990 stand es leer, bis die Künstler es für sich entdeckten und eine neue Ära einleiteten.
Peter Mälzer
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